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Wie gehen Gesellschaften mit Menschen um, die aufgrund eines Unfalls oder einer Erkrankung ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben können?
Ein brisantes Thema vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, dem immer stärker werdenden Druck in der Arbeitswelt, der damit verbundenen Zunahme psychischer Erkrankungen, dem Entstehen neuer Zielgruppen und der scheinbar knappen finanziellen Ressourcen.
Internationale Vergleiche und Lösungen, renommierte ReferentInnen, rund 300 bis 400 TeilnehmerInnen und die offizielle Nominierung zur TOP Veranstaltung anlässlich des Europäischen Jahr zur Verhinderung von Armut und sozialer Ausgrenzung – das sind die Faktoren, die den INTERNATIONALEN REHA KONGRESS 2010 zu einem zukunftsweisenden Informations- und Diskussionsforum machen.
mehr auf http://rehakongress.at
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September 15 2010
Herr Tourette und ich: Bericht eines glücklichen Menschen
Mit „Herr Tourette und ich“ erzählt Pelle Sandstrak seine Geschichte. Er gibt in seinem Buch keine enzyklopädischen Informationen über das Tourette-Syndrom, das mit den Tics, unwillkürlichen Bewegungen und unkontrollierbaren Lauten eine der auffälligsten neuropsychiatrischen Krankheiten darstellt. Sandstrak hat mit entwaffnender Offenheit die ungewöhnliche Geschichte seines Lebens niedergeschrieben. Pelle öffnet dem Leser die Augen - wenn das Gehirn Achterbahn fährt und man selbst Angst davor hat.
Eingesperrt
1965 ist das Geburtsjahr von Pelle Sandstrak, irgendwo in einem normalen Dorf in Norwegen wächst er inmitten einer normalen Familie auf. Tics und Zwangshandlungen, Wortkaskaden, unkontrollierbare Wut, unüberwindbare Berührungsängste vor der Farbe Rot, vor Wärme, Milch und dem Geräusch, das entsteht, wenn sein Banknachbar eine Karotte kaut: Seine ersten zwanzig Lebensjahre verbringt Pelle in einem Gefängnis aus ritualisierten Bewegungsabläufen, immer auf dem Grat zwischen Kontrolle durch Zwang und berstender Wut.
Seine Zwangsgedanken von abstürzenden Flugzeugen erpressen Zwangsrituale von ihm. Zum Flugzeugritual kommt das Schulbankritual. Die Buchstaben x, y und z bedeuten für Pelle Sandstrak Ansteckung + Blut + Tod, diese Buchstaben nur halb geschrieben sind ungefährlich. Pelles Eltern machen sich Sorgen, alles Mögliche könnte diese Zwangshandlungen verursachen. Zufällig liest der Vater über eine Krankheit mit Namen Tourette-Syndrom. Ein berühmter Chefarzt in der Stadt belächelt den Hinweis auf das Tourette-Syndrom „Tourette? Nein das haben wir hier nicht!“. Er diagnostizierte bei Pelle Sandstrak eine paranoide Persönlichkeitsstörung.
Zwanghafte Rituale
Je älter er wird, desto mehr bestimmen die Tics und die Rituale, die er zu deren Vermeidung entwickelt, sein Leben. Während es ihm, wie er im ersten Teil seines Buches schreibt, als Kind noch oft gelang, seine Eigenheiten vor den anderen zu verbergen führt ihn seine Krankheit als Erwachsener an den Abgrund - diese Zuspitzung ist Gegenstand des zweiten Teils des Buches. 1984 geht Pelle Sandstrak nach Oslo. Er will auf eigenen Beinen stehen, sein Leben in den Griff bekommen, weitermachen, seine Begabung finden. Seine Jobs mit denen er seine Tontechnikerausbildung finanziert behält er nicht lange, die ‚falschen’ Zahlen und Buchstaben machen es unmöglich so zu arbeiten, wie es erwartet wird. Er kann keine Plattenalben in die Hand nehmen, die ein x, y oder z oder zuviel Rot haben. Und wenn es langweilig wird im Job kommen die Rituale, die Zwangshandlungen. Türschwellen werden zum zeitraubenden Hindernis, sie verlangen ein bestimmtes Ritual, schlampig ausgeführt muss es wiederholt werden und das kann schon mal einen halben Tag kosten.
In der Gosse
In der Großstadt kann er sich verbergen, kann den Menschen aus dem Weg gehen. Die Leute auf der Straße starren ihn zwar an, die Blicke sind kurz doch dann sieht man schnell weg. Einige sprechen zu ihm, aber kaum einer redet mit ihm. Seine stundenlangen Märsche durch die Stadt machen ihn müde, machen seine Gedanken müde. Er ernährt sich von kalten Rippchen und Saft. Ein Chrysler 300 C, abgestellt auf einem verlassenen Fabrikgelände, wird sein Schlafplatz. Im Untermietzimmer bei einer alten Dame findet er schon lange keine Ruhe. Er wird einer von jenen Menschen, die einsam durch die Stadt ziehen, verwirrt, mit Drogen experimentiert, wochenlang seine Kleidung nicht wechselt. Er hat sein Leben schon lange nicht mehr im Griff, seine Rituale und Zwangsgedanken bestimmen den Tagesablauf. Seiner Familie möchte er den schrulligen Sohn und merkwürdigen Bruder nicht antun, er träumt davon, dass alles in ein paar Wochen besser wird und seine Zwangshandlungen passé sind und flieht nach Schweden.
Die Erkenntnis: Tourette-Syndrom
Und dann irgendwann im Zug beim Grenzübertritt von Schweden nach Norwegen überschlägt sich alles. Er hört im Radio seine Lieblingssendung. Ein junger Mann berichtet von seinen Zwangsgedanken, Zwangshandlungen, von Bazillen, Tics, von Ritualen und plötzlich hat das Anderssein einen Namen: Tourette-Syndrom. Schlagartig bekommen seine Absonderlichkeiten einen Namen. Pelle nimmt Kontakt mit dem erwähnten Arzt auf und wird als interessanter Fall (zu 97% schwerbehindert) unter Neuropsychiatern weitergereicht, bis ein geschickt provozierender Therapeut mit einer unkonventionellen Konfrontationstherapie erste Erfolge erreicht. Pelle erkennt, dass sich auch Rituale variieren lassen, dass die verschiedenen Versionen alle zum gleichen Ziel führen und er sie sich deswegen gleichermaßen erlauben kann, und gewinnt so seine Freiheit zurück.
Aber erst als er einer Frau, in die er sich verliebt hat, sagen kann: „Ich habe etwas, das heißt Tourette“, hat er aus dem Wissen über seine Krankheit jene Gelassenheit gewonnen, die es ihm ermöglicht zu schreiben: „Ich habe schließlich gelernt, dass es keine normalen Menschen gibt.“
Atemlos, humorvoll und wortgewandt
Das Buch berührt, verwundert, schockiert, gibt Einblick in die Welt eines Menschen mit Tourette-Syndrom. Wie in einem Krimi steigt die Spannung langsam ins Unerträgliche, atemlos gehen wir von Station zu Station mit, ringen um Hilfe und ersehnen den Zusammenbruch. Der Stil ist humorvoll, wortgewandt und präzise. Die Kapitel sind kurz, so als wolle er den Lesenden nicht zuviel zumuten. Es ist ein Angebot, sich dem Anderssein zu nähern. Der Satz des Spezialisten zu Pelle Standstrak „Sie werden eine Hölle durchleben, aber Sie sind in sicheren Händen“ verstört und beruhigt zugleich.
Pelle Sandstrak lernt wie die „Normalvariante eines Menschen“ Kaffee trinkt, Türschwellen überschreitet, eine Jacke auszieht, die Schuhe bindet, Türen schließt und öffnet, sich duscht. Er muss alles neu lernen. „So gesund, wie ich sein will“, diese Selbstbestimmung ist der Haupterfolg der Therapie. Das Ziel der Verhaltenstherapie war „so weit gesund zu werden, dass ich arbeiten gehen kann. Es gibt ja eine verschwommene Grenze zwischen dem, wie gesund man sein will, und dem krankhaften Normalzustand.“ Für ihn ist die „Tourette-Energie meine beste und hoffnungslos unerklärliche Freundin.“
Beststeller
Er erwähnt in seiner Danksagung die Schwedischen Bürger, weil sie in den Jahren 1992 bis 1995 Steuern gezahlt haben und somit seinen Heilungsprozess mitfinanzierten. Heute ist er als Künstler und Experte in eigener Sache in der Welt unterwegs, das Buch „Herr Tourette und ich“ ist in Schweden ein Bestseller und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Eingesperrt
1965 ist das Geburtsjahr von Pelle Sandstrak, irgendwo in einem normalen Dorf in Norwegen wächst er inmitten einer normalen Familie auf. Tics und Zwangshandlungen, Wortkaskaden, unkontrollierbare Wut, unüberwindbare Berührungsängste vor der Farbe Rot, vor Wärme, Milch und dem Geräusch, das entsteht, wenn sein Banknachbar eine Karotte kaut: Seine ersten zwanzig Lebensjahre verbringt Pelle in einem Gefängnis aus ritualisierten Bewegungsabläufen, immer auf dem Grat zwischen Kontrolle durch Zwang und berstender Wut.
Seine Zwangsgedanken von abstürzenden Flugzeugen erpressen Zwangsrituale von ihm. Zum Flugzeugritual kommt das Schulbankritual. Die Buchstaben x, y und z bedeuten für Pelle Sandstrak Ansteckung + Blut + Tod, diese Buchstaben nur halb geschrieben sind ungefährlich. Pelles Eltern machen sich Sorgen, alles Mögliche könnte diese Zwangshandlungen verursachen. Zufällig liest der Vater über eine Krankheit mit Namen Tourette-Syndrom. Ein berühmter Chefarzt in der Stadt belächelt den Hinweis auf das Tourette-Syndrom „Tourette? Nein das haben wir hier nicht!“. Er diagnostizierte bei Pelle Sandstrak eine paranoide Persönlichkeitsstörung.
Zwanghafte Rituale
Je älter er wird, desto mehr bestimmen die Tics und die Rituale, die er zu deren Vermeidung entwickelt, sein Leben. Während es ihm, wie er im ersten Teil seines Buches schreibt, als Kind noch oft gelang, seine Eigenheiten vor den anderen zu verbergen führt ihn seine Krankheit als Erwachsener an den Abgrund - diese Zuspitzung ist Gegenstand des zweiten Teils des Buches. 1984 geht Pelle Sandstrak nach Oslo. Er will auf eigenen Beinen stehen, sein Leben in den Griff bekommen, weitermachen, seine Begabung finden. Seine Jobs mit denen er seine Tontechnikerausbildung finanziert behält er nicht lange, die ‚falschen’ Zahlen und Buchstaben machen es unmöglich so zu arbeiten, wie es erwartet wird. Er kann keine Plattenalben in die Hand nehmen, die ein x, y oder z oder zuviel Rot haben. Und wenn es langweilig wird im Job kommen die Rituale, die Zwangshandlungen. Türschwellen werden zum zeitraubenden Hindernis, sie verlangen ein bestimmtes Ritual, schlampig ausgeführt muss es wiederholt werden und das kann schon mal einen halben Tag kosten.
In der Gosse
In der Großstadt kann er sich verbergen, kann den Menschen aus dem Weg gehen. Die Leute auf der Straße starren ihn zwar an, die Blicke sind kurz doch dann sieht man schnell weg. Einige sprechen zu ihm, aber kaum einer redet mit ihm. Seine stundenlangen Märsche durch die Stadt machen ihn müde, machen seine Gedanken müde. Er ernährt sich von kalten Rippchen und Saft. Ein Chrysler 300 C, abgestellt auf einem verlassenen Fabrikgelände, wird sein Schlafplatz. Im Untermietzimmer bei einer alten Dame findet er schon lange keine Ruhe. Er wird einer von jenen Menschen, die einsam durch die Stadt ziehen, verwirrt, mit Drogen experimentiert, wochenlang seine Kleidung nicht wechselt. Er hat sein Leben schon lange nicht mehr im Griff, seine Rituale und Zwangsgedanken bestimmen den Tagesablauf. Seiner Familie möchte er den schrulligen Sohn und merkwürdigen Bruder nicht antun, er träumt davon, dass alles in ein paar Wochen besser wird und seine Zwangshandlungen passé sind und flieht nach Schweden.
Die Erkenntnis: Tourette-Syndrom
Und dann irgendwann im Zug beim Grenzübertritt von Schweden nach Norwegen überschlägt sich alles. Er hört im Radio seine Lieblingssendung. Ein junger Mann berichtet von seinen Zwangsgedanken, Zwangshandlungen, von Bazillen, Tics, von Ritualen und plötzlich hat das Anderssein einen Namen: Tourette-Syndrom. Schlagartig bekommen seine Absonderlichkeiten einen Namen. Pelle nimmt Kontakt mit dem erwähnten Arzt auf und wird als interessanter Fall (zu 97% schwerbehindert) unter Neuropsychiatern weitergereicht, bis ein geschickt provozierender Therapeut mit einer unkonventionellen Konfrontationstherapie erste Erfolge erreicht. Pelle erkennt, dass sich auch Rituale variieren lassen, dass die verschiedenen Versionen alle zum gleichen Ziel führen und er sie sich deswegen gleichermaßen erlauben kann, und gewinnt so seine Freiheit zurück.
Aber erst als er einer Frau, in die er sich verliebt hat, sagen kann: „Ich habe etwas, das heißt Tourette“, hat er aus dem Wissen über seine Krankheit jene Gelassenheit gewonnen, die es ihm ermöglicht zu schreiben: „Ich habe schließlich gelernt, dass es keine normalen Menschen gibt.“
Atemlos, humorvoll und wortgewandt
Das Buch berührt, verwundert, schockiert, gibt Einblick in die Welt eines Menschen mit Tourette-Syndrom. Wie in einem Krimi steigt die Spannung langsam ins Unerträgliche, atemlos gehen wir von Station zu Station mit, ringen um Hilfe und ersehnen den Zusammenbruch. Der Stil ist humorvoll, wortgewandt und präzise. Die Kapitel sind kurz, so als wolle er den Lesenden nicht zuviel zumuten. Es ist ein Angebot, sich dem Anderssein zu nähern. Der Satz des Spezialisten zu Pelle Standstrak „Sie werden eine Hölle durchleben, aber Sie sind in sicheren Händen“ verstört und beruhigt zugleich.
Pelle Sandstrak lernt wie die „Normalvariante eines Menschen“ Kaffee trinkt, Türschwellen überschreitet, eine Jacke auszieht, die Schuhe bindet, Türen schließt und öffnet, sich duscht. Er muss alles neu lernen. „So gesund, wie ich sein will“, diese Selbstbestimmung ist der Haupterfolg der Therapie. Das Ziel der Verhaltenstherapie war „so weit gesund zu werden, dass ich arbeiten gehen kann. Es gibt ja eine verschwommene Grenze zwischen dem, wie gesund man sein will, und dem krankhaften Normalzustand.“ Für ihn ist die „Tourette-Energie meine beste und hoffnungslos unerklärliche Freundin.“
Beststeller
Er erwähnt in seiner Danksagung die Schwedischen Bürger, weil sie in den Jahren 1992 bis 1995 Steuern gezahlt haben und somit seinen Heilungsprozess mitfinanzierten. Heute ist er als Künstler und Experte in eigener Sache in der Welt unterwegs, das Buch „Herr Tourette und ich“ ist in Schweden ein Bestseller und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.
September 09 2010
Die Arbeit macht uns krank - kann die Wirtschaftskrise helfen?
Begonnen hat alles mit einem neuen Job, der viel Arbeit und große Verantwortung mitbrachte, ihm dicht gefolgt sind ständige Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Schlaflosigkeit – das Endprodukt: Der Körper macht irgendwann nicht mehr mit. Dieses Phänomen ist vor allem in den vergangenen Jahren immer häufiger anzutreffen: Arbeit macht uns krank, nicht nur körperliche, vor allem auch psychische Schäden und Beeinträchtigungen wie Stress, Burnout oder Depressionen nehmen zu. Wer nicht einwandfrei funktioniert, hat ein Problem.
„Human Outlet“, der Internationalen Rehakongress 2010, stellt am 16. und 17. September im Design Center Linz die Frage, wie die Gesellschaft mit Menschen umgeht, die aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit nicht mehr voll im Berufsleben stehen können. Hilfsorganisationen, Betroffene, aber auch nationale und internationale Politiker diskutieren zu diesem Thema zwei Tage lang und suchen in Workshops gemeinsam Lösungen.
Unsere Existenz definiert sich nur mehr durch Arbeit
Eine der Vortragenden mit sehr interessanten Ansätzen ist Gabriele Michalitsch. Die Politologin und Ökonomin mit Lehraufträgen an mehreren Universitäten spricht in der Arbeitswelt von dem Phänomen „Ökonomisierung des Selbst“: So definiert sich unsere Existenz immer mehr (und immer mehr „freiwillig“) durch ökonomischen Erfolg. Die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit verschwindet, private und berufliche Beziehungen sind immer schwieriger auseinanderzuhalten. Als Beispiel nennt sie das berühmte „Networking“, also private, informelle Beziehungen zum beruflichen Nutzen.
Seit den 1990er Jahren hat der Trend zum „Enterpreneurship“, zum „Selbst“ als Unternehmen alle anderen Strömungen verdrängt, so Michalitsch. Wenn die Arbeit zum alles überschattenden Existenzgrund wird, können nicht alle mithalten, immer mehr Menschen sind arbeitslos, die Kluft zwischen Arm und Reich driftet auseinander. Diese Entwicklungen haben laut der Politologin auch politische Folgen: Sie zeigen sich etwa in zunehmender Gleichgültigkeit gegenüber Demokratie und wachsendem Rechtsextremismus. Sie sind allesamt Anzeichen einer tiefen politischen Krise, die im Grunde eine Krise der Demokratie ist und zur Etablierung starker autoritärer Strukturen führt, wie wir das europaweit beobachten können.
Krise als Chance, ein neues Lebensmodell zu schaffen
Nicht nur die Demokratiekrise, sondern auch die zum geflügelten Wort avancierte Wirtschaftskrise sieht Michalitsch als eine Chance, das Wirtschaftsystem als solches zu überdenken: Es sollte jetzt also nicht um die Frage gehen, wann und wie wir endlich wieder positive Wirtschaftswachstumsraten produzieren können, sondern um einen schrittweisen Umbau unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems: Können wir mit weniger Erwerbstätigkeit auskommen, damit Freiräume zur individuellen Lebensgestaltung schaffen und so mehr Zeit für Kunst, Politik, Kontemplation, Zeit für sich selbst haben? Oder anders gesagt: Wie könnten wir anders leben?
„Human Outlet“, der Internationalen Rehakongress 2010, stellt am 16. und 17. September im Design Center Linz die Frage, wie die Gesellschaft mit Menschen umgeht, die aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit nicht mehr voll im Berufsleben stehen können. Hilfsorganisationen, Betroffene, aber auch nationale und internationale Politiker diskutieren zu diesem Thema zwei Tage lang und suchen in Workshops gemeinsam Lösungen.
Unsere Existenz definiert sich nur mehr durch Arbeit
Eine der Vortragenden mit sehr interessanten Ansätzen ist Gabriele Michalitsch. Die Politologin und Ökonomin mit Lehraufträgen an mehreren Universitäten spricht in der Arbeitswelt von dem Phänomen „Ökonomisierung des Selbst“: So definiert sich unsere Existenz immer mehr (und immer mehr „freiwillig“) durch ökonomischen Erfolg. Die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit verschwindet, private und berufliche Beziehungen sind immer schwieriger auseinanderzuhalten. Als Beispiel nennt sie das berühmte „Networking“, also private, informelle Beziehungen zum beruflichen Nutzen.
Seit den 1990er Jahren hat der Trend zum „Enterpreneurship“, zum „Selbst“ als Unternehmen alle anderen Strömungen verdrängt, so Michalitsch. Wenn die Arbeit zum alles überschattenden Existenzgrund wird, können nicht alle mithalten, immer mehr Menschen sind arbeitslos, die Kluft zwischen Arm und Reich driftet auseinander. Diese Entwicklungen haben laut der Politologin auch politische Folgen: Sie zeigen sich etwa in zunehmender Gleichgültigkeit gegenüber Demokratie und wachsendem Rechtsextremismus. Sie sind allesamt Anzeichen einer tiefen politischen Krise, die im Grunde eine Krise der Demokratie ist und zur Etablierung starker autoritärer Strukturen führt, wie wir das europaweit beobachten können.
Krise als Chance, ein neues Lebensmodell zu schaffen
Nicht nur die Demokratiekrise, sondern auch die zum geflügelten Wort avancierte Wirtschaftskrise sieht Michalitsch als eine Chance, das Wirtschaftsystem als solches zu überdenken: Es sollte jetzt also nicht um die Frage gehen, wann und wie wir endlich wieder positive Wirtschaftswachstumsraten produzieren können, sondern um einen schrittweisen Umbau unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems: Können wir mit weniger Erwerbstätigkeit auskommen, damit Freiräume zur individuellen Lebensgestaltung schaffen und so mehr Zeit für Kunst, Politik, Kontemplation, Zeit für sich selbst haben? Oder anders gesagt: Wie könnten wir anders leben?
September 01 2010
Alles richtig gemacht und trotzdem arbeitslos
Nach einem schwerwiegenden Autounfall in Rekordzeit wieder auf den
Beinen, aber trotzdem um die Karriere gebracht: Reinhard P. hat alles
richtig gemacht, steht aber auf der Straße. Das Unternehmen, dass ihn
beschäftigte, hat den Standort von einen Tag auf den anderen in die
Ukraine verlegt. Nur ein Beispiel dafür, wie die wirtschaftliche Dynamik
die Berufliche Rehabilitation vor immer schwierigere Bedingungen
stellt.
Reinhard P., ein begeisterte Freizeit-Radrennfahrer wurde von einem Auto angefahren. Reinhard P. korrigiert: „Niedergemäht.“ Laut Polizeiprotokoll war er vorschriftsmäßig am rechten Straßenrand unterwegs, als ihn der Fahrer eines entgegenkommenden PKW, der gerade einen anderen überholte, offenkundig übersah. An seiner linken Körperhälfte war so gut wie alles gebrochen: „Von der Schulter bis zum Unterschenkel." Natürlich sei er als Folge seiner Verletzungen im Gehen beeinträchtigt, deutlich sogar. Und natürlich kann er seinen alten Beruf als Elektriker nicht mehr ausüben. Aber sonst? Auch hier habe er Glück im Unglück gehabt. Andere verlieren nach so einem Unfall eine Gliedmaße. Oder sitzen im Rollstuhl, weil die Frakturen vielleicht ein bisschen mehr in Richtung Körpermitte aufgetreten sind und der eine oder andere Wirbel gebrochen ist.
Umschulung in Rekordzeit und Aussicht auf Karriere
Reinhard P. hat zudem auch in beruflicher Hinsicht Glück, seine Firma kooperiert mit dem BBRZ sehr gerne. Sie versichert, dass man den ehemaligen Arbeitnehmer nach Beendigung der Ausbildung gerne in ein Dienstverhältnis übernimmt. „Mit Handkuss!“, meint sein zukünftiger Vorgesetzter. Reinhard P. hat sich während seiner Tätigkeit als Elektriker einen hervorragenden Ruf geschaffen. Er ist fleißig, kompetent, zuverlässig und jederzeit bereit, Überstunden zu machen. Im Kollegenkreis ist er beliebt.
Der schulische Teil der Ausbildung verläuft überdurchschnittlich gut. Und die Integration im Betrieb während der Ausbildungszeit vollzieht sich rascher als geahnt. Im Betrieb heißt es: „Er sieht die Arbeit, packt zu, und schon ist sie erledigt.“ Er braucht wenig Anleitung, verfügt über einen gesunden Hausverstand und hohe Selbstständigkeit. Die Firma hat mit Reinhard P. viel vor. Für den spanischen Markt wird ein Sales Manager gesucht, Reinhard P. soll auf diese Aufgabe vorbereitet werden. Seine Spanischkenntnisse sind gut. Woher? „Naturtalent“, zwinkert der junge Mann zurück. Das BBRZ organisiert für Reinhard P. fortführende Sprachkurse. Zeitgerecht legt Reinhard P. die Lehrabschlussprüfung zum Industriekaufmann mit ausgezeichnetem Erfolg ab. Die Firma schöpft gar nicht den vollen vom Kostenträger gewährten Förderzeitraum aus und übernimmt Reinhard P. in ein Dienstverhältnis, sobald er ausgelernt war.
Die Bombe: Unternehmen wandert in die Ukraine ab
Doch in das Glücksgefühl, das Reinhard P. und die BBRZ-BetreuerInnen in Anbetracht der hoch erfolgreichen beruflichen Wiedereingliederung mit besten Zukunftsaussichten noch gar nicht richtig ausgekostet hatten, mischten sich plötzlich Ungläubigkeit und Bestürzung. Es hieß, dass der Anlagenbauer hierzulande seine Niederlassung schließe. Dieser internationale Gigant verlässt uns? Das ungläubige Staunen wich schnell der brutalen Realität. Die Werksschließung war binnen kurzer Zeit abgewickelt, Hunderte Mitarbeiter standen auf der Straße. Unter ihnen Reinhard P.. Das Vertrauen in den renommierten Namen, der „Glücksfall“, sie waren von den kühlen Rechnern eines global agierenden Großkonzerns über Nacht zunichte gemacht worden.
Keiner ist seines Glückes Schmied
Ausbildung, heißt es, lohnt sich. Nimm deine Karriere selbst in die Hand! Wer gut qualifiziert ist, wird schneller vermittelt. Wer die Arbeitslosenstatistiken liest, weiß, dass das stimmt. Was nicht stimmt, ist, dass sein Schicksal jeder selbst in der Hand hat: „Ich hab mir weder den Unfall noch die Werksschließung ausgesucht“, sagt er. Dass jeder seines Glückes Schmied ist, trifft sowieso nicht zu. Es soll einmal eine Zeit gegeben haben, in der Fachkenntnis, Verlässlichkeit und Einsatzbereitschaft Garanten für den Joberhalt gewesen seien. Es müssen goldene Zeiten gewesen sein, selbst sein Vater hat sie nur mehr ansatzweise erlebt.
Für die Generation von Reinhard P. gilt das schon längst nicht mehr. Diese wächst mit der Unsicherheit von befristeten Dienstverhältnissen und atypischen Beschäftigungsverhältnissen, die von Phasen der Arbeitslosigkeit unterbrochen werden, wie selbstverständlich auf. Das Gute daran: Das Schlagwort vom „lebenslangen Lernen“ hat für ihn nichts Bedrohliches. Erstens ist es unwahrscheinlich, dass sich in einer Branche das Know-how über Jahrzehnte hinweg nicht ändert. Zweitens wird es immer wahrscheinlicher, in seiner Erwerbsbiografie nicht nur einen, sondern mehrere Berufe zu erlernen. Sei es, so wie bei ihm, aufgrund eines Unfalls, sei es, weil ein Beruf einfach nicht mehr nötig oder en vogue ist und sich zwangsläufig die Notwendigkeit einer beruflichen Neuorientierung ergäbe.
Schwierige Bedinungen für die berufliche Rehabilitation
Dies ist eine Herausforderung nicht nur für jeden einzelnen, sondern auch für die Aus- und Weiterbildungseinrichtungen. Sie müssen nicht nur danach trachten, ihr Angebot an die Anforderungen der Wirtschaft anzupassen. Sie müssen auch dazu in der Lage sein, diese Anforderungen mit den individuellen Fähigkeiten des einzelnen in Deckung zu bringen. Für Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation, die sich in einem zunehmend schwierigeren Umfeld bewegen, in dem mehr als je zuvor nur die Fittesten bestehen, ist es unablässig, auf diese Situation nicht nur mit adäquaten Ausbildungen zu reagieren, sondern sich auch am Arbeitsmarkt als Anwalt benachteiligter Menschen zu positionieren. Diese Anwaltschaft besteht nicht im Appell an das soziale Herz des Arbeitgebers oder an dessen Mitgefühl, sondern in der Fähigkeit, neben dem Vermitteln von Fachwissen den Arbeitsplatz so zu gestalten und die Arbeit in Absprache mit dem Arbeitgeber so zu strukturieren, dass der berufliche Rehabilitand seine ihm zugedachte Funktion bestmöglich ausüben kann.
Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs war Reinhard P. noch immer auf Jobsuche. Demnächst wird er wieder ein Vorstellungsgespräch haben. Eines von vielen, die er in letzter Zeit absolviert hat, aber „es hört sich gut an“.
Reinhard P., ein begeisterte Freizeit-Radrennfahrer wurde von einem Auto angefahren. Reinhard P. korrigiert: „Niedergemäht.“ Laut Polizeiprotokoll war er vorschriftsmäßig am rechten Straßenrand unterwegs, als ihn der Fahrer eines entgegenkommenden PKW, der gerade einen anderen überholte, offenkundig übersah. An seiner linken Körperhälfte war so gut wie alles gebrochen: „Von der Schulter bis zum Unterschenkel." Natürlich sei er als Folge seiner Verletzungen im Gehen beeinträchtigt, deutlich sogar. Und natürlich kann er seinen alten Beruf als Elektriker nicht mehr ausüben. Aber sonst? Auch hier habe er Glück im Unglück gehabt. Andere verlieren nach so einem Unfall eine Gliedmaße. Oder sitzen im Rollstuhl, weil die Frakturen vielleicht ein bisschen mehr in Richtung Körpermitte aufgetreten sind und der eine oder andere Wirbel gebrochen ist.
Umschulung in Rekordzeit und Aussicht auf Karriere
Reinhard P. hat zudem auch in beruflicher Hinsicht Glück, seine Firma kooperiert mit dem BBRZ sehr gerne. Sie versichert, dass man den ehemaligen Arbeitnehmer nach Beendigung der Ausbildung gerne in ein Dienstverhältnis übernimmt. „Mit Handkuss!“, meint sein zukünftiger Vorgesetzter. Reinhard P. hat sich während seiner Tätigkeit als Elektriker einen hervorragenden Ruf geschaffen. Er ist fleißig, kompetent, zuverlässig und jederzeit bereit, Überstunden zu machen. Im Kollegenkreis ist er beliebt.
Der schulische Teil der Ausbildung verläuft überdurchschnittlich gut. Und die Integration im Betrieb während der Ausbildungszeit vollzieht sich rascher als geahnt. Im Betrieb heißt es: „Er sieht die Arbeit, packt zu, und schon ist sie erledigt.“ Er braucht wenig Anleitung, verfügt über einen gesunden Hausverstand und hohe Selbstständigkeit. Die Firma hat mit Reinhard P. viel vor. Für den spanischen Markt wird ein Sales Manager gesucht, Reinhard P. soll auf diese Aufgabe vorbereitet werden. Seine Spanischkenntnisse sind gut. Woher? „Naturtalent“, zwinkert der junge Mann zurück. Das BBRZ organisiert für Reinhard P. fortführende Sprachkurse. Zeitgerecht legt Reinhard P. die Lehrabschlussprüfung zum Industriekaufmann mit ausgezeichnetem Erfolg ab. Die Firma schöpft gar nicht den vollen vom Kostenträger gewährten Förderzeitraum aus und übernimmt Reinhard P. in ein Dienstverhältnis, sobald er ausgelernt war.
Die Bombe: Unternehmen wandert in die Ukraine ab
Doch in das Glücksgefühl, das Reinhard P. und die BBRZ-BetreuerInnen in Anbetracht der hoch erfolgreichen beruflichen Wiedereingliederung mit besten Zukunftsaussichten noch gar nicht richtig ausgekostet hatten, mischten sich plötzlich Ungläubigkeit und Bestürzung. Es hieß, dass der Anlagenbauer hierzulande seine Niederlassung schließe. Dieser internationale Gigant verlässt uns? Das ungläubige Staunen wich schnell der brutalen Realität. Die Werksschließung war binnen kurzer Zeit abgewickelt, Hunderte Mitarbeiter standen auf der Straße. Unter ihnen Reinhard P.. Das Vertrauen in den renommierten Namen, der „Glücksfall“, sie waren von den kühlen Rechnern eines global agierenden Großkonzerns über Nacht zunichte gemacht worden.
Keiner ist seines Glückes Schmied
Ausbildung, heißt es, lohnt sich. Nimm deine Karriere selbst in die Hand! Wer gut qualifiziert ist, wird schneller vermittelt. Wer die Arbeitslosenstatistiken liest, weiß, dass das stimmt. Was nicht stimmt, ist, dass sein Schicksal jeder selbst in der Hand hat: „Ich hab mir weder den Unfall noch die Werksschließung ausgesucht“, sagt er. Dass jeder seines Glückes Schmied ist, trifft sowieso nicht zu. Es soll einmal eine Zeit gegeben haben, in der Fachkenntnis, Verlässlichkeit und Einsatzbereitschaft Garanten für den Joberhalt gewesen seien. Es müssen goldene Zeiten gewesen sein, selbst sein Vater hat sie nur mehr ansatzweise erlebt.
Für die Generation von Reinhard P. gilt das schon längst nicht mehr. Diese wächst mit der Unsicherheit von befristeten Dienstverhältnissen und atypischen Beschäftigungsverhältnissen, die von Phasen der Arbeitslosigkeit unterbrochen werden, wie selbstverständlich auf. Das Gute daran: Das Schlagwort vom „lebenslangen Lernen“ hat für ihn nichts Bedrohliches. Erstens ist es unwahrscheinlich, dass sich in einer Branche das Know-how über Jahrzehnte hinweg nicht ändert. Zweitens wird es immer wahrscheinlicher, in seiner Erwerbsbiografie nicht nur einen, sondern mehrere Berufe zu erlernen. Sei es, so wie bei ihm, aufgrund eines Unfalls, sei es, weil ein Beruf einfach nicht mehr nötig oder en vogue ist und sich zwangsläufig die Notwendigkeit einer beruflichen Neuorientierung ergäbe.
Schwierige Bedinungen für die berufliche Rehabilitation
Dies ist eine Herausforderung nicht nur für jeden einzelnen, sondern auch für die Aus- und Weiterbildungseinrichtungen. Sie müssen nicht nur danach trachten, ihr Angebot an die Anforderungen der Wirtschaft anzupassen. Sie müssen auch dazu in der Lage sein, diese Anforderungen mit den individuellen Fähigkeiten des einzelnen in Deckung zu bringen. Für Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation, die sich in einem zunehmend schwierigeren Umfeld bewegen, in dem mehr als je zuvor nur die Fittesten bestehen, ist es unablässig, auf diese Situation nicht nur mit adäquaten Ausbildungen zu reagieren, sondern sich auch am Arbeitsmarkt als Anwalt benachteiligter Menschen zu positionieren. Diese Anwaltschaft besteht nicht im Appell an das soziale Herz des Arbeitgebers oder an dessen Mitgefühl, sondern in der Fähigkeit, neben dem Vermitteln von Fachwissen den Arbeitsplatz so zu gestalten und die Arbeit in Absprache mit dem Arbeitgeber so zu strukturieren, dass der berufliche Rehabilitand seine ihm zugedachte Funktion bestmöglich ausüben kann.
Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs war Reinhard P. noch immer auf Jobsuche. Demnächst wird er wieder ein Vorstellungsgespräch haben. Eines von vielen, die er in letzter Zeit absolviert hat, aber „es hört sich gut an“.
August 31 2010
Die deutsche Antidiskriminierungsstelle versucht sich am Pilotprojekt "Anonyme Bewerbungen" gemeinsam mit 5 Unternehmen www.faz.net/...
August 30 2010
Die Initiative "Aktive Arbeitslose" tritt zu Wien-Wahl auf Bezirksebene an. Das Interview dazu auf @neuwal neuwal.com/...
RT @neuwal: KPÖ, Piratenpartei, MUT, Aktive Arbeitslose diskutieren: “Sicherheit und Transparenz” http://waln.eu/bsIarc @ichmachpolitik ...
RT @franzku: NEU am Reflections Blog: Teil 6 der Serie "Zukunft der Arbeit" reflectionsresearch.wordpress.com/... #futureofwork #serie6
August 27 2010
Der Epstein-Barr-Virus ist ausschlaggebend für das Karriereende so manches österreichischen Leistungssportlers: derstandard.at/...
August 26 2010
Nicht jeder Stress ist schädlich: Was im Körper passiert und wie gesunde Arbeit aussieht erklärt ein Arbeitspsychologe www.zeit.de/...
August 25 2010
RT @franzku: Demografie und Arbeitswelt: Das Durchschnittsalter der Österreicher steigt um +13% bis 2050. reflectionsresearch.wordpress.com/... #zukunftder ...
Berufliche Rehabilitation - was steckt dahinter? Universitätsprofessorin Elisabeth List gibt Antworten humanoutlet.soup.io/...
Berufliche Rehabilitation - was genau steckt dahinter?
Es sind nur mehr knapp drei Wochen bis zum Internationalen Rehakongress. Zeit, sich damit zu beschäftigen, was in diesen zwei Tagen Thema sein wird. Elisabeth List, Universitätsprofessorin für Philosophie an der Uni Graz und Vortragende beim Rehakongress hat ihre interessanten Gedanken zur Beruflichen Rehabilitation mit uns geteilt und wir geben sie nun auszugsweise wieder:
Was genau muss das Ziel von Beruflicher Rehabilitation sein?
List: Als Ziel von Rehabilitation gilt nach allgemeiner Auffassung die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, die Wiedereingliederung in das aktive Arbeits- und Erwerbsleben. Aber Rehabilitation ist anderes und mehr: der Versuch der Wiederbefähigung von Menschen mit gesundheitlichen Problemen, die ihre Gesamtverfassung als lebende Wesen insgesamt einbezieht. Nur dann wird Rehabilitation zu ihrem bestmöglichen Ergebnis kommen. Denn letztes Ziel aller Rehabilitation ist die Freisetzung aller Potentiale, die Menschen als lebendige Wesen haben.
Welche Voraussetzung braucht es?
List: Rehabilitation kann nur gelingen als gemeinsame Arbeit von Kranken und Therapeutinnen gelingen. Das Individuum, um dessen Wohlbefinden es geht, muss als personale und spontane Einheit vom Therapeuten wahr- und erstgenommen werden. Er muss dem zögernden und durch Schmerz und Leid geschwächten Menschen entgegengehen und ihm das Gefühl des Wertseins und Selbstseins geben. Nur dann wird es gelingen, die in ihm schlummernden Fähigkeiten und Talente zum Leben zu bringen. Dass er dazu fähig ist, davon muss nicht nur die Therapeutin, der Therapeut, sondern vor allem das betroffene Individuum selbst überzeugt sein.
Wie entscheidet der Therapeut über die Art der Therapie?
List: Zu Beginn stehen vier Fragen im Vordergrund, die über das weitere Vorgehen entscheiden: Handelt es sich um Menschen mit konstitutionellen Schwächen oder genetischen Belastungen? Sind es Menschen mit Krankheitsfolgen aus ihrer Berufstätigkeit? Sind es Menschen mit guten Aussichten auf gesundheitliche Genesung? Sind es chronisch Kranke oder Behinderte? Jeder dieser Typen von Krankheitsfällen und Mangelzuständen stellt die Rehabilitation vor verschiedene Aufgaben. In die Zuständigkeit der Rehabilitation fallen vor allen jene Fälle, in denen ausschließlich medizinische Maßnahmen im engeren Sinne nicht ausreichen, um dieses Ziel zu erreichen. Um Erfolg zu haben, müssen die medizinischen Maßnahmen in ein ganzheitliches Verständnis von Therapie, des Menschens und ein ganzheitliches Verständnis von Krankheit und Gesundheit eingebettet sein.
Was ist die Hauptprämisse von Beruflicher Rehabilitation?
List: Ich versuche allen Menschen folgenden Satz mitzugeben: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt! Es ist entscheidend und wichtig, Kranke über die Ursachen ihrer Beschwerden aufzuklären und ihnen ein Bewusstsein von ihrer Situation zu geben. Er oder sie wird dann vielleicht versuchen, für bessere Arbeitsbedingungen einzutreten oder gar eine andere Arbeit ergreifen. Er – und vor allem sie - muss also selbst die Initiative ergreifen und ihre Situation verändern als ersten Schritt zur Wiederherstellung von Gesundheit und Wohlbefinden. Die Betroffenen in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Situationswahrnehmung zu stärken und zu unterstützen, ist eine erste Aufgabe der Rehabilitation.
Welche Lehre kann aus solchen Schicksalsfällen gezogen werden?
List: Krankheit und Behinderung sind eine besondere Weise der Erfahrung von Grenzen, die der menschlichen Existenz durch ihre Körperlichkeit gesetzt sind. Aber es sind auch Erfahrungen, an denen man lernen kann, mit diesen Grenzen einen gedeihlichen Umgang zu pflegen. Es sind vor allem Anlässe, zu entdecken, dass auch mit diesen Grenzen ein gutes Leben möglich ist. Aus den Schwächen kranker und körperlich beeinträchtigter Menschen wird eine Stärke, wenn man sie als Strategien eines bewussten und nachhaltigen Lebens nutzt. Denn die Achtsamkeit auf den kranken Körper gibt dem Leben einen neuen Rhythmus, ein anderes Tempo. Aus dieser Erfahrung könnten auch Gesunde lernen: Langsamkeit, Achtsamkeit sind die Devisen für eine Gesellschaft, die sich dem Ziel der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlt. Eine Entschleunigung der Arbeits- und Lebensprozesse würde langfristig die Hälfte aller Krankheitsfälle, die berufsbedingt sind, beheben. Die Behinderten in ihrem Rollstuhl sind Vorbilder der Entschleunigung, und es würde ihre Lebensqualität deutlich heben, wenn sie und ihre Umwelt in ihrer Langsamkeit keinen Mangel, sondern einen besonderen Wert sehen würden.
Sie sehen die Entschleunigung also als eine Art Heilmittel?
List: Ja, Entschleunigung wäre das geeignete Mittel gegen die Krankheiten des Mittelstands, gegen Stress und das Burn-out-Syndrom. Rehabilitation müsste den Mut entwickeln und weitergeben, dem Leben, mit oder ohne Beeinträchtigung, Zeit zu lassen, schlicht und einfach: Zeit zu lassen, die es für seinen Verlauf braucht, den Wechsel von Aktivität und Ruhe, von Wachen und Schlaf. So wird es seinen Rhythmus finden und seine Potentiale neu entdecken.
Was genau muss das Ziel von Beruflicher Rehabilitation sein?
List: Als Ziel von Rehabilitation gilt nach allgemeiner Auffassung die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, die Wiedereingliederung in das aktive Arbeits- und Erwerbsleben. Aber Rehabilitation ist anderes und mehr: der Versuch der Wiederbefähigung von Menschen mit gesundheitlichen Problemen, die ihre Gesamtverfassung als lebende Wesen insgesamt einbezieht. Nur dann wird Rehabilitation zu ihrem bestmöglichen Ergebnis kommen. Denn letztes Ziel aller Rehabilitation ist die Freisetzung aller Potentiale, die Menschen als lebendige Wesen haben.
Welche Voraussetzung braucht es?
List: Rehabilitation kann nur gelingen als gemeinsame Arbeit von Kranken und Therapeutinnen gelingen. Das Individuum, um dessen Wohlbefinden es geht, muss als personale und spontane Einheit vom Therapeuten wahr- und erstgenommen werden. Er muss dem zögernden und durch Schmerz und Leid geschwächten Menschen entgegengehen und ihm das Gefühl des Wertseins und Selbstseins geben. Nur dann wird es gelingen, die in ihm schlummernden Fähigkeiten und Talente zum Leben zu bringen. Dass er dazu fähig ist, davon muss nicht nur die Therapeutin, der Therapeut, sondern vor allem das betroffene Individuum selbst überzeugt sein.
Wie entscheidet der Therapeut über die Art der Therapie?
List: Zu Beginn stehen vier Fragen im Vordergrund, die über das weitere Vorgehen entscheiden: Handelt es sich um Menschen mit konstitutionellen Schwächen oder genetischen Belastungen? Sind es Menschen mit Krankheitsfolgen aus ihrer Berufstätigkeit? Sind es Menschen mit guten Aussichten auf gesundheitliche Genesung? Sind es chronisch Kranke oder Behinderte? Jeder dieser Typen von Krankheitsfällen und Mangelzuständen stellt die Rehabilitation vor verschiedene Aufgaben. In die Zuständigkeit der Rehabilitation fallen vor allen jene Fälle, in denen ausschließlich medizinische Maßnahmen im engeren Sinne nicht ausreichen, um dieses Ziel zu erreichen. Um Erfolg zu haben, müssen die medizinischen Maßnahmen in ein ganzheitliches Verständnis von Therapie, des Menschens und ein ganzheitliches Verständnis von Krankheit und Gesundheit eingebettet sein.
Was ist die Hauptprämisse von Beruflicher Rehabilitation?
List: Ich versuche allen Menschen folgenden Satz mitzugeben: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt! Es ist entscheidend und wichtig, Kranke über die Ursachen ihrer Beschwerden aufzuklären und ihnen ein Bewusstsein von ihrer Situation zu geben. Er oder sie wird dann vielleicht versuchen, für bessere Arbeitsbedingungen einzutreten oder gar eine andere Arbeit ergreifen. Er – und vor allem sie - muss also selbst die Initiative ergreifen und ihre Situation verändern als ersten Schritt zur Wiederherstellung von Gesundheit und Wohlbefinden. Die Betroffenen in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Situationswahrnehmung zu stärken und zu unterstützen, ist eine erste Aufgabe der Rehabilitation.
Welche Lehre kann aus solchen Schicksalsfällen gezogen werden?
List: Krankheit und Behinderung sind eine besondere Weise der Erfahrung von Grenzen, die der menschlichen Existenz durch ihre Körperlichkeit gesetzt sind. Aber es sind auch Erfahrungen, an denen man lernen kann, mit diesen Grenzen einen gedeihlichen Umgang zu pflegen. Es sind vor allem Anlässe, zu entdecken, dass auch mit diesen Grenzen ein gutes Leben möglich ist. Aus den Schwächen kranker und körperlich beeinträchtigter Menschen wird eine Stärke, wenn man sie als Strategien eines bewussten und nachhaltigen Lebens nutzt. Denn die Achtsamkeit auf den kranken Körper gibt dem Leben einen neuen Rhythmus, ein anderes Tempo. Aus dieser Erfahrung könnten auch Gesunde lernen: Langsamkeit, Achtsamkeit sind die Devisen für eine Gesellschaft, die sich dem Ziel der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlt. Eine Entschleunigung der Arbeits- und Lebensprozesse würde langfristig die Hälfte aller Krankheitsfälle, die berufsbedingt sind, beheben. Die Behinderten in ihrem Rollstuhl sind Vorbilder der Entschleunigung, und es würde ihre Lebensqualität deutlich heben, wenn sie und ihre Umwelt in ihrer Langsamkeit keinen Mangel, sondern einen besonderen Wert sehen würden.
Sie sehen die Entschleunigung also als eine Art Heilmittel?
List: Ja, Entschleunigung wäre das geeignete Mittel gegen die Krankheiten des Mittelstands, gegen Stress und das Burn-out-Syndrom. Rehabilitation müsste den Mut entwickeln und weitergeben, dem Leben, mit oder ohne Beeinträchtigung, Zeit zu lassen, schlicht und einfach: Zeit zu lassen, die es für seinen Verlauf braucht, den Wechsel von Aktivität und Ruhe, von Wachen und Schlaf. So wird es seinen Rhythmus finden und seine Potentiale neu entdecken.
Die Zeit findet schlagkräftige Argumente für eine gestzliche Frauenquote in Führungspositionen von Unternehmen. www.zeit.de/...
Laut Forschern in Großbritannien werden Frauen und Männer erst im Jahr 2067 gleich viel verdienen. www.sueddeutsche.de/...
August 24 2010
Menschen mit Behinderungen leisten in Unternehmen gute Arbeit, sie brauchen nur die richtige Unterstützung: www.zeit.de/...
RT @equalizent: Am 16.9. gibt es im Wiener Rathaus den Österreich-Tag #Behinderung und #Migration - wir sind mit einem Stand vertreten h ...
RT @neuwal: Kärntner Ortstafelstreit: Warum anerkannte Volksgruppen in Österreich spezielle Minderheitenrechte haben (3) http://waln.eu/ ...
RT @sueddeutschede: Überwachung am Arbeitsplatz: Bespitzelt und abgehört www.sueddeutsche.de/...
Sehr interessantes Interview über die Veränderungen der Arbeitswelt aus Sicht der Betroffenen derstandard.at/...
RT @barrierefrei_at: Mindestsicherung startet in nur drei Bundesländern planmäßig am 1. September derstandard.at/...
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